20 Jahre Dodokay. Heute.
Unbelievable: Genau heute vor 20 Jahren habe ich mein erstes schwäbisches Synchro-Video auf meinem YouTube-Kanal "dodokay" veröffentlicht.
Eigentlich war das gar nicht als Comedy gedacht. Es gab keinen Businessplan, keine Marketingidee und kein Karriereziel. Ich habe damals als Regisseur viel Werbung gedreht und mich hat einfach eine Frage interessiert: Kann eine fiese Filmfigur auf Schwäbisch überhaupt noch bedrohlich und ernst zu nehmen sein?
Mein erster Versuch war deshalb eine nahezu wörtliche schwäbische Übersetzung einer Szene aus der damals bahnbrechenden Serie "24" mit Kiefer Sutherland. Alles todernst, recht brutal und gar nicht witzig. Als ich gemerkt habe, dass meine schwäbische Synchro komisch wirkt, obwohl es um versteckte Atombomben geht, habe ich den Dialog komplett neu geschrieben: Jack Bauer war dann nicht mehr Anti-Terror-Ermittler, sondern „Jürgen Bauer“, der Chef einer WG, der einen Mitbewohner zur Rede stellt, weil der schon wieder im Stehen "gesôicht" und den Klodeckel oben gelassen hat. Diese Version ist dann online gegangen. Am 2. August 2006.
Innerhalb von zwei Wochen hatte das Video rund 25.000 Aufrufe – und völlig ungeplant war damit der Grundstein für „Dodokay“ gelegt. Danach sind noch sieben weitere Folgen von „24 Schwäbisch“ und bis heute ca. 250 Filme entstanden.
Falls sich jemand wundert, warum ich dieses allererste Video heute nicht direkt verlinke: Die Weltlage liefert gerade nicht den passenden Rahmen, um ausgerechnet eine Szene mit einem Terroristenverhör groß zu feiern. Für mich war dieses Video aber nie wegen seines Inhalts wichtig, sondern wegen der Frage, die dahinterstand. Sucht es auf meinem YouTube-Kanal, wenn ihr wollt - da gibt es auch eine Playlist mit allen Folgen (übrigens alles lange vor Obama & Co.).
Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass mich dieses kleine Experiment zwanzig Jahre später immer noch begleitet, hätte ich ihn wahrscheinlich ausgelacht. Und wenn mir jemand gesagt hätte, dass daraus einmal ein Beruf, Bühnenprogramme, Filme, Auszeichungen und Begegnungen mit unglaublich vielen Menschen entstehen würden, erst recht.
Manchmal reicht offenbar eine einzige neugierige Frage, um das eigene Leben in eine Richtung zu schubsen, mit der man nie gerechnet hätte.
P.S.: Bis heute ist übrigens nicht erwiesen, ob es im Film einen ernstzunehmend bösen schwäbischen Protagonisten geben kann. Und ich muss fairerweise zugeben: Als Regisseur habe ich in den letzten 20 Jahren leider auch nichts produziert, was diese Frage beantwortet hätte … 😄